Mo 2 Jul 2007
Ein erster Versuch
Posted by NoelsieW under About the man writin', Every Day living and thinkin', Short Stories
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Ich habe ja schon öfters kurze Geschichten geschrieben und neulich kam mir eine Idee für eine weitere. Ich habe mal angefangen und noch ist sie nicht fertig. Sie wird möglicherweise auch etwas länger werden, als gedacht. Aber bisher geht sie mir recht gut von der Hand:
Kapitel 1
Zumindest wusste Ray nun, dass er nicht alleine war. Es gab noch andere wie ihn. Andere, die das gleiche Schicksal teilten. Jetzt, da in dem dämmrigen Raum stand, der von einem leichten Nebel durchzogen war, fühlte er sich zum ersten Mal seit damals frei, erntete er nicht mehr spöttische Blicke von Fremden und Freunden. Es war, als würde eine Tür geöffnet. Eine Tür in ein neues Leben. Das selbiges in einem sticken Hinterzimmer eines schäbigen Hotels beginnen sollte, hatte sich Ray sicherlich anders vorgestellt, aber die Tatsachen ließen sich nun mal nicht verleugnen. Ray atmete trotz der verqualmten Umgebung seit langer Zeit wieder tief durch und ließ sich auf einen der freien Sessel fallen. Sechs Augenpaare sahen ihn gespannt an. Jeder wollte seine Geschichte hören und Ray wollte sie bereitwillig erzählen. Doch bevor er beginnen konnte, wurde ihm das noch unausgesprochene Wort abgeschnitten.
«Bist Du Dir ganz sicher Carlos?»
Die Stimme klang tief und bedrohlich. Ray sah sich um und konnte im Schatten neben der Tür eine massige Gestalt ausmachen. Ihre Augen leuchteten auf, sobald sie an der Zigarette zog, ansonsten blieb sie im Dunkeln verborgen. Ray kroch ein leichter Schauer über den Rücken.
«Absolut Michael! Ray hat vielleicht nicht unbedingt die typischen Ausprägungen wie die anderen von uns, dafür aber Fähigkeiten, die den meisten weit überlegen sind. Ich musste ihn mitbringen. Ihn zurück zu lassen, mit dem Wissen er könnte in die Hände der…nun…das wäre einfach zu fahrlässig gewesen.»
«Das bedeutet also, dass Du keinen Test mit ihm durchgeführt hast, richtig? Du weißt, das Du unsere Gemeinschaft damit in sehr große Gefahr bringst.»
Michael alias der Schatten machte ein paar Schritte auf Carlos zu. Sein kantiges Gesicht wurde durch seine stahlblauen Augen noch unterstützt. Ray wusste sofort, dass mit ihm nicht zu spaßen war. Carlos sah Michael ernst an.
«Das konnte ich nicht, weil wir dafür einfach keine Zeit hatten. Nachdem ich Ray aufgespürt hatte, waren auch schon eine ganze Menge…also sie waren auf jeden Fall hinter uns her. Ich konnte mich lediglich davon überzeugen, wie stark Ray ist. Und wäre es mir nicht gelungen, ihn von unserer Sache zu überzeugen, könntest Du meine Asche im Fluß suchen gehen, Michael.»
Dabei hob Carlos seine rechte Hand oder das, was von seiner Hand noch zu erkennen war. Dick verbunden tropfte immer noch etwas Blut durch den Verband. Ray überkam ein tiefes Schuldgefühl. Er wusste bei ihrem ersten Aufeinandertreffen nicht, dass es Carlos gut mit ihm meinte. Außerdem hatte er seine Kräfte immer noch nicht vollständig unter Kontrolle. In bestimmten Situationen, Todesangst oder ähnliche Banalitäten, ließ er Kräfte frei werden, die sonst niemals zustande kamen, so sehr er sich auch bemühte. Ray wusste, dass Carlos die Wahrheit sprach: Hätte er es nicht geschafft ihn zu überzeugen, wäre Carlos mit großer Sicherheit von ihm getötet worden. Dies hatte Ray zuvor schon getan und er würde es wieder tun. Die Träume und Schatten würden ihn danach allerdings erneut für eine lange Zeit keinen Schlaf finden lassen.
«Also gut Carlos, dann müssen wir die Tests jetzt sofort durchführen. Er wäre eine zu große Gefahr für uns, falls sich herausstellt, dass er…, falls er sie eben nicht bestehen sollte.»
Ray war es leid, dass über ihn gesprochen wurde, als wäre er nicht im Raum und stand auf.
«Dürfte ich frage, um welche Tests es dabei geht?»
«Wir müssen herausfinden, auf welcher Seite Du stehst. Dazu gibt es verschiedene Indizien, die uns darauf schließen lassen, ob Deine Verwandlung schon beendet ist, oder ob sie gerade erst begonnen hat.»
Michael sah Ray direkt in die Augen, was bei ihm einen erneuten kalten Schauer zur Folge hatte.
Beendet?
Begonnen?
Ray wusste nicht genau, wovon Michael sprach. Sicher, es hatte eine Verwandlung mit ihm stattgefunden. Nun ja, Verwandlung war wohl die Untertreibung des Jahres, denn eigentlich müsste Ray tot sein. Aber er lebte. Und er fühlte sich so stark, wie noch nie in seinem Leben. Was wohl damit zusammenhing, dass er definitiv so stark wie niemals zuvor war.
Aber all diese Stärke nützte ihm in diesem Moment wenig. Ray war unsicher, was Michael wohl mit seinen Worten gemeint hatte. Sollte das etwa bedeuten, dass er wohlmöglich einer dieser…, dass er sich weiter verwandeln würde? In etwas Schlimmeres und Schrecklicheres, als er alles, was er kannte? Nein! Lieber würde Ray sterben, als eines dieser Dinger zu werden.
«Ray, hast Du gehört, was Michael gesagt hat?»
Carlos hatte ihn leicht an seiner Schulter gerüttelt und erst jetzt bemerkte Ray, dass er vor lauter Gedanken dem Gespräch der beiden Männer nicht weiter gefolgt hatte.
«Wie? Was? Nein, habe ich nicht, was hat er denn gesagt?»
Michael machte einen Schritt auf Ray zu: «Wenn Du wirklich so stark bist, wie Carlos behauptet ist es das Sicherste, wenn wir Dich zum Mandula bringen. Er wird Dich den Tests unterziehen und im Falle eines schlechten Ergebnisses stark genug sein, um es mit Dir aufnehmen zu können.»
«Mit mir aufnehmen? Aber ich will doch keinem etwas tun. Wieso sollte ich den Mandula angreifen wollen? Warum können wir die Tests nicht hier durchführen?»
«Wenn Du den letzten Test nicht bestehst Ray,» flüsterte Carlos, «dann wirst Du binnen Sekunden einer von Ihnen werden.» Er sah Ray in die Augen. «Und wir werden gezwungen sein, Dich zu töten. Ich habe Deine Stärke im Guten erlebt und will nicht wissen, wie stark Du wirst, wenn Du auf die andere Seite wechseln solltest.»
