Es war eigentlich ja abzusehen. Im November musst sich die Nr. 1 des deutschen Tennis seiner dritten Schulter-OP unterziehen und es musste schon ein kleines Wunder geschehen, damit Tommy Haas fit zum ersten Grand Slam Turnier auflaufen kann.
Nun, das Wunder blieb aus.
Traurig für Hsas ist das allemal, weil er auf Hartplatz weitaus stärker einzuschätzen ist, als auf Sand oder Rasen. In Melbourne war dreimal im Halbfinale, zuletzt 2007. Man kann also sagen, dass er dort am ehesten seinen großen Coup, einen Grand Slam Titel, landen könnte.
Doch er hat ja noch Zeit denkt man vielleicht. Haas sieht jung aus, Haas fühlt sich jung an. Haas ist aber nicht mehr jung. Er ist schon 30. Klar, meine Oma würde jetzt sagen, das ist ein junger Spund, aber im Tennis geht er stark aufs Rentenalter zu. Viele Möglichkeiten wird er in Melbourne oder woanders nicht mehr haben einen Grand Slam Titel zu gewinnen.
Und was mir in diesem Zusammenhang auffällt, ist, dass es kaum wirklich junge aufstrebende Spieler mehr in Deutschland gibt. Als Haas das erst Mal im Halbfinale von Melbourne stand, war er gerade mal 21 Jahre alt (1999). Wo haben wir denn heute einen 21-jährigen mit dem Potential ein Halbfinale der Australien Open zu erreichen?
Die statistische (anhand der Weltrangliste) Nr. 2 ist Philipp Kohlschreiber. Er ist 24. Größter Erfolg? 1/8-Finale Australien Open. Meine Einschätzung? Ein eher durchschnittlicher Typ, der noch nie wirklich im Fokus war. Eine Randnotiz eben. Allerdings hat er sich kontinuierlich gesteigert ist aktuell Nummer 31 der Welt. Tendenz nach oben? 2008 wird es zeigen.
Nr. 3 ist immer noch Nicolas Kiefer. Der Dauerverletzte (so scheint es mir zumindest) ist ebenfalls 30, wird im Juli 31. Platz 43 der Welt, größter Erfolg: HF Australien Open 2006. Ob sich Kiwi allerdings nochmal so steigern kann, dass er unter die Top 5 wie im Januar 2000 kommt, ist mehr als fraglich. Sein Körper spielt ihm immer wieder übel mit und in engen Matches zeigt er, früher öfter in letzter Zeit weniger, Nerven.
Nr. 4 (wer will raten?):
Michael Berrer. Michael wer? Berrer. Ist so alt wie ich. Wird dieses Jahr ebenfalls schon 28. Ranglistenplatzierung 52. Erfolge? Grand Slam? So gut wie keine. Mal die eine oder andere Runde überstanden. Von weiß ich nix, daher auch keine Prognose.
Es folgen Florian Meyer (24 Jahre, Platz 56, VF Wimbledon), Benjamin Becker (26, 81, AF US Open (mit vorherigem Sieg über Agassi)), Mischa Zverev (20, 86, 2nd Rd. Australien Open), Rainer Schüttler (31, 91, Finale Australien Open).
That´s it. Außer Zverev, der eigentlich Russe ist, habe ich ehrlich gesagt keine Ahnung, wer in den kommenden Jahren oben angreifen kann. Das deutsche Herrentennis nähert sich dem Dilemma des Damentennis. Es gibt keine wirklichen Persönlichkeiten mehr, die die Menschen vor dem Bildschirm fesseln.
Warten wir mal dieses Jahr ab, was so passiert. Meine Hoffnungen sind gering. Zum Glück spricht Federer deutsch, mit dem kann man sich ein wenig identifizieren