Journeys


So – die Prüfungen sind vorüber. Wer wissen will, wie es war, dem sei der Pilotenblog ans Herz gelegt.

Ich genieße meine freie Zeit jetzt erstmal. Werde wohl über Weihnachten in die USA fliegen. Mal meine Tante wiedersehen. Mein erstes Weihnachten nicht in Deutschland. Hat auch mal was :-)

Dann mag ich noch ein paar Menschen sehen – Freunde, die ich lange nicht sah. Nicht wahr, Jan? Björn? Claudia?

Ebenso werde ich endlich wieder richtig Volleyball spielen können. In einer Mannschaft trainieren. Mich verbessern Wieder auf das Niveau des letzten Jahres kommen und die Prüfungspfunde abnehmen. Wird auch Zeit.

Ich habe ja momentan auch keine richtige Unterkunft. Pendel mehr oder weniger zwischen Mum und meine Süßen hin und her. Ist auch mal ganz nett seit 5 Jahren keine Miete zu zahlen :-) .

Ich hoffe mal, dass ich dann auch wieder dazu komme mehr hier zu schreiben.

Grade ist alles gut!

Abgesehen von meiner persönlichen “Belohnung” zur bestandenen “Zwischenprüfung” in Bremen, hatte ich noch zwei Wochen Ferien von der Schule “geschenkt” bekommen. Meine Süße und ich hatten daher überlegt, was wir in der Zeit denn so anstellen. Abgesehen von den obligatorischen Treffen mit den Eltern kamen wir überein, dass ein paar Tage Urlaub mehr als dringend nötig waren. So kramten wir im Internet nach günstigen Angeobten von Fahrradtour (wegen Allergie dann leider nicht machbar) bis zum Strandurlaub und fanden schließlich bei germanwings ein super Angebot. Das sogenannte Blind Booking zum Festpreis ist für Spontanurlauber ein super Angebot. Man kann aus verschiedenen groben Richtungen wie z.B. “Metropolen Osteuropas”, “Kultur”, “Party” oder “Shopping” auswählen und somit den Reisebereich auf ein paar Städte einschränken. Da wir erstens nicht wirklich viel Geld zur Verfügung hatten und es ja noch ein wenig “unentdecktes Land” ist, entschieden wir uns also für die Kategorie “Metropolen Osteuropas”. Noch schnell den Terminkalender gecheckt und von Sonntag bis Mittwoch den Flug gebucht. Dann hieß es warten bis der Server das Ziel ausgab. Nach wenigen Augenblicken stand dann unser Zielort fest: Die bulgarische Hauptstadt Sofia.

Nun fehlte also noch ein Hotel, welches wir dann relativ schnell übers Netz fanden und somit ging es dann zwei Tage später los. Gegen kurz nach neun landeten wir in Sofia und ich musste doch recht schnell erkennen, das kyrillische Schrift nicht wirklich mein Ding ist. Glücklicherweise kann meine Süße das lesen, so dass dieses “Problem” keines mehr war. Nach der ersten Nacht im Hotel, verschaffte ich mir erstmal einen Überblick über die Umgebung, ich abends zuvor auf Grund der Dunkelheit nicht erkennen konnte:

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Schon der erste Rundumblick zeigte uns früh die zwei Gesichter  Sofias, die uns immer und immer wieder in den folgenden Tagen begegneten. Doch dazu später mehr.

Nach mehr oder weniger ausgiebigen Frühstück machten wir uns also auf die Socken in Richtung Straßenbahn, da wir Taxi erstens als (relativ) teuer und zweitens als nicht so bevölkerungsnah empfanden. Doch vor die Mitfahrt hat der liebe Gott ja bekanntlich den Ticketkauf gesetzt, welcher sich also etwas schwierig darstellte, da wir versäumten Geld zu tauschen. Euro wollte der Zugführer leider auch nicht nehmen (trotz dem Wert von 2:1 im Verhältnis zum bulgarischen Lev), so dass wir gezwungen waren den Weg in die Innenstadt zu Fuß anzutreten. Doch hier zeigt sich ebenfalls ein (positives) Bild der höchst gelegenen Hauptstadt Europas: Kurze Wege. Von der Straßenbahnstation zur Innenstadt waren wir ca. 20 Minuten unterwegs, die allerdings bei gefühlten 24°C recht anstrengend waren.

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In der Innenstadt angekommen begannen wir zunächst einmal mit dem obligatorsichen Sight-Seeing. Sofia bietet hier diverse Sehenswürdigkeiten vom Historischen Museum über eine (überdimensionale) Soldatenstatue bis hin zur Alexander Nevski (eine orthodoxe Kirche mit ca. 8 kg purem Gold als Zierde der Kuppeln). Doch auch bei den Sehenswürdigkeiten Sofias gibt es zwei Gesichter, denn neben orthodoxen Kirchen, gibt es dort ebenfalls eine Moschee und eine Synagoge, die wir natürlich ebenfalls besichtigten.

Alexander Nevski Sophienstaue Moschee

Theater Synagoge Sovjetdenkmal

Nachdem als alle Sehenwürdigkeiten “abgegraßt” waren, neigte sich auch schon der erste Tag dem Ende zu. wir gingen noch in ein schönes bulgarisches Restaurant essen, bei dem die Gerichte direkt auf einem großen offenen Grill zubereitet wurden.

Grill

Hier machte ich den Fehler mir einen kleinen Schaschlikspieß zu bestellen…

Spieß

Tja, einige Stunden später schlenderten rollten wir noch ein wenig durchs abendliche Sofia, wo wir noch den einen oder anderen schönen Schnappschuss machen konnten.

Sofia Street I Sofia Street II

Sofia Street III Sofia Street IV

Wer sich nun vor allem das zweite Bild genauer ansieht erkennt hier einen extrem krassen Gegensatz in Sofia. Einerseits das Überangebot westlicher Konsumtempel, wie z.B. beim Essen hier McDonalds und auf der anderen Seite der Mann, der unter dem Schild im Müll wühlt…

Der nächste Tag hielt einen weitere Überraschung im Sinne von “Zwei Gesichter Sofias” für uns bereit. Nachdem wir ein wenig durch die Stadt und die Geschäfte gelaufen waren, enschieden wir uns mittags dafür doch mal ins nähere Umland zu fahren. Mit der Straßenbahn ging es dann ca. 40 Minuten gen Süden und auf einmal standen wir mitten im Wald, hier hätten wir mit Leichtigkeit auf einen der Berge klettern können, die sich um Bulgariens Hauptstadt erstreckten.

Wald

Leider war die Seilbahn, die wir auf unserer Wanderung als Ziel hatten schon seit Jahren nicht mehr in Betrieb, so dass uns ein Blick von hoch oben auf Sofia verwehrt blieb. Dennoch erlebten wir hier eine weitere Überraschung. Plötzlich fanden wir uns nach einigem Fußmarsch in einem schönen Villenviertel wieder. Herrlichste Häuser reihten sich aneinander, die keinen Vergleich mit Villen unserer Breite zu scheuen brauchten.

Villa

Jedoch gab es einen Unterschied zu Deutschland: In unseren Villenvierteln begegnet man eher selten Ziegenhirten.

Hirte

Dies war schon eine krase Erfahrung, da man mit so etwas ja beim besten Willen nicht rechnet. Retrospektiv betrachtet ist es dann aber doch nicht verwunderlich in dieser “Stadt der Zwei Gesichter”.

Wieder in “Downtown-Sofia” ließen wir den Tag dann noch gemütlich ausklingen, bevor es am nächsten Morgen schon wieder gen Heimat ging. Zwei Tage in der bulgarischen Hauptstadt sind für ein erstes Kennenlernen dabei genau die richtige Zeitspanne gewesen und möglicherweise wird es uns das eine oder andere Mal erneut dort hin verschlagen.

Abschließend noch ein paar weitere Impressionen unseres Kurztrips.

Old Men Milka Rain

Schach Ikonen Tiere

… dann kann er bekanntlich was erzählen. Eine Reise habe ich getan. Aber diese an sich birgt nicht so viel zu erzählen, wie die Anreise (welches für sich schon das erzählerische Highlight des gesamten Kurztrips war!):

Samstag – 6:06h

Der Wecker klingelt. Eigentlich müsste ich aufstehen, da der Bus, der mich zum Flughafen bringt um 6:45h abfährt. Leider habe ich mir die Nacht zuvor noch bis um 3h um die Ohren gehauen – Fazit: Ich bekomme vom alltäglichen SWR3-Morning-Programm nix mit!

Samstag – 6:35h

Ich schrecke hoch! Ein Blick auf die Uhr und mit wird schlagartig bewusst, dass ich noch genau 10 Minuten habe, um mich anzuziehen, die Taschen fertig zu packen und zum Bus am Bahnhof zu kommen. Ich ahne schon, dass dies eine sehr sportliche Angelegenheit wird. Ich springe aus dem Bett und lande direkt auf allen Vieren. Ich habe wohl in der Nacht etwas zusammen geknotet geschlafen und mein linkes Bein verweigert seinen Dienst. So krabbele ich also ins Bad und ziehe mich am Waschbecken empor. Getreu dem Motto: “Ich kenne Dich zwar nicht, aber ich wasche dich trotzdem” blicke ich in den Spiegel. Ich sehe wirklich scheiße aus! Das Haar steht in alle Richtungen, die Augenringe haben die Größe von ner Gucci-Sonnenbrille und meine Augen sind so rot, wie die Sonnenseite des Mars. Wenn ich es nicht besser wissen würde, würde ich sagen, ich habe gestern gesoffen wie ein Loch, aber dem war nicht so. Nun denn – schnell Wasser ins Gesicht und in die Haare. Zähne geputzt (na ja, es war ein Zahnpflegekaugummi – zu mehr hat es einfach nicht gereicht!) und rein in die Klamotten. Das klingt einfacher, als es am Ende war. Aber letztlich schaffe ich es durch T-Shirt, Hemd und Hose zu kämpfen und dabei wirklich alles richtig herum anzuziehen. In die Schuhe geschlüpft – natürlich erstmal falsch herum probiert – und die Taschen geschnappt. Tür zu, Licht aus, Dunkel! und ab zum Bus.

Samstag – 6:46h

Argh – bin ich zu spät? Ist der Bus schon weg? Nein! Noch stehen einige Mitreisende am Bahnhof und warten geduldig auf ihre Beförderung. Der Bus hat natürlich Verspätung. Fast 10 Minuten stehe ich am Bahnhof und überlege, ob ich etwas wichtiges vergessen habe. Nein, alles scheint an seinem Ort zu sein und nach dem ersten Adrenalinschock beginne ich mich etwas zu entspannen.

Samstag – 7:01h

Nachdem alle eingeladen sind, fährt der Bus endlich ab. Geplante Ankunftszeit am Flughafen ist 7:55h. Ich muss bis 8:35h eingecheckt haben, sonst komme ich nicht mit. Innerlich beginne ich mir schon wieder die verschiedenen Horrorszenarien auszumalen:

Der Bus könnte in einen Stau geraten und zu spät ankommen, er könnte auch eine Panne haben oder der Busfahrer verpasst die Ausfahrt. Mein Zeitplan ist relativ eng, so dass ich ein Stoßgebet gen Himmel schicke, dass ich rechtzeitig am Check-In bin.

Samstag – 7:28h

Busfahrer sind schon harte Hunde. Es gibt ja diesen einen Witz, wo ein Busfahrer und ein Pfarrer in den Himmel kommen und der Pfarrer zwar eingelassen wird, aber der Busfahrer einen VIP-Status erhält. Auf die Nachfrage vom Pfarrer, warum dies denn so sei, wo er doch jeden Sonntag so viele Schäfchen in seiner Kirche versammeln konnte, antwortet ihm Petrus, dass dies zwar stimme, aber bei jeder Fahrt des Busfahrers alle Passagiere begonnen haben intensiv zu beten und das 5 Tage die Woche.

Soweit ist es Gottlob noch nicht gekommen, aber er legt einen durchaus flotten Zahn auf den Asphalt. LKW Überholverbot? Wayne interessiert´s? Geschwindigkeitsbegrenzung? Kenn´ ich nicht! So kommen wir tatsächlich um 7:59h am Flughafen an. Respekt! Da haben sich die 10,50€ für die Fahrt durchaus gelohnt!

Samstag – 8:14h

Ich stehe in der Schlange zum Check-In. Ein kurzer Blick in meine Reiseunterlagen zeigt mir, dass ich die Buchungsnummer dabei habe. Ebenso eine Kopie meines Personalausweises, für den Fall, dass ich selbigen in Ungarn verlieren sollte. Sicher ist sicher.

Samstag – 8:17h

Ich bin an der Reihe. “Buchungsnummer und Personalausweis bitte!”, sagt die nette Dame am Schalter. Klar, Buchungsnummer kann ich auswendig und der Perso ist in meinem Portemon… MOMENT MAL! Wo ist mein Perso?

Beim Anblick des leeren Fachs meines Geldbeutels überkommt mich die Antwort auf diese Frage wie ein Kurzfilm. Ich habe den Perso gestern Abend noch schnell mit meinem Scanner kopiert und ihn vergessen wieder in das Portemonnaie zu stecken. Oh Gott. Noch knapp 25 Minuten bis der Schalter schließt. Ich frage, ob eine Kopie nicht auch gehen würde. Die Dame verneint und verweist mich an die Information zwei Schalter weiter. Verzweifelt rufe ich zu Hause an und bitte eine Freundin mir den Perso per Auto schnell vorbei zu bringen. Doch schon während sie die Frage stellt, wie lange sie noch Zeit hat, wird mir klar, dass 25 Minuten einfach viel zu kurz sind. Diese Option ist gestorben.

Samstag – 8:21h

Ich stehe am Infoschalter und bespreche mich mit der anwesenden Dame. Die Panik ist mir ins Gesicht geschrieben. Der Flug war ein Weihnachtsgeschenk und für meine Verhältnisse nicht gerade billig. Ich habe noch nie ein Flugzeug verpasst. Also die letzte Möglichkeit versuchen: Ein vorläufiges Reisedokument beim Bundesgrenzschutz der Bundespolizei beantragen. Das kostet 10€ – kein Problem. Ich will nur in diesen Flieger! Doch der Keim der Hoffnung, der auf meinem Gesicht zu erkennen ist, wird von der netten Damen an der Information jäh vernichtet. Die Fluggesellschaft akzeptiert keine vorläufigen Reisedokumente. Ich habe ausgespielt!

Samstag – 8:31h

Ich sitze wieder im Bus zurück nach Mainz. Welch ein Desaster. Ich habe mich so auf ein paar entspannte Tage in Ungarn gefreut und nun dies! Ich rufe meine Freundin in Ungarn an – wecke sie also und erzähle ihr, dass ich nicht mitkomme. Zunächst glaubt sie an einen Scherz, doch ihr wird recht schnell klar, das dies nicht so ist. Ungarn adé!

Samstag – 9:27h

Hallo Mainz, schön Dich zu sehen, auch wenn ich daran nicht so schnell gedacht hätte! Tief betrübt schleiche ich mich nach Hause. Dort angekommen begrüße ich erst einmal meinen Personalausweis. Wie ist es Dir so ergangen? Gut rumgelegen? Na, das freut mich aber!

Was nun? Mein Lebensmotto wäre nicht “Never give up!”, wenn ich mich jetzt mit der Situation abfinden würde. Also gehe ich im Kopf die mir noch bleibenden Möglichkeiten durch um evtl. doch noch auf anderem Wege nach Ungarn zu gelangen:

1. Flugzeug: Ich klicke mich durch verschiedene Seiten, aber so kurzfristig sind die Flüge natürlich extrem teuer. Der günstigste Flug geht am Dienstag und kostet nochmals 100€. Dies würde allerdings mein Budget sprengen. Ich bin nicht in der Lage oder Willens nochmal mehr als 50€ auszugeben, Außerdem würde ich am Donnerstag schon wieder zurück fliegen. Das heißt, ich hätte einen Tag dort. Lohnt nicht!

2.Bahn: Es gibt ein Europa-Spezial der DB. Für 40€ nach Budapest. Super! Aber ebenfalls erst am Dienstag! So ein Scheiß. Der normale Fahrpreis beträgt 135, also ebenfalls raus.

3.Bus: Mit Eurolines kommt man nach Budapest – allerdings ebenfalls erst am Dienstag! Haben sich alle gegen mich verschworen? Das kann doch nicht sein?

4.Auto: Hm, selbst fahren kommt nicht in Frage. Zu lange und ich würde den Rückflug ebenfalls nicht nutzen können. Das heißt, mir bleibt nach meiner Sucherei nur noch eine einzige Möglichkeit: Die Mitfahrzentrale.

Ich durchstöbere die Angebote und finde auch zwei Möglichkeiten für den Sonntag. Der eine fährt von Karlsruhe, der andere fährt aus Oldenburg. Letzteren versuche ich zuerst zu erreichen. Doch leider geht niemand ans Telefon. Also an den Ersten gewandt. Er klingt recht teilnahmslos, da er die Strecke wohl wöchentlich fährt. Eine Zugfahrt nach Karlsruhe würde nochmal 20€ kosten und ich wäre am Montag morgen irgendwann in Budapest. Ich beschließe, mir das Ganze noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen und ihn später erneut anzurufen. Während ich über diese Möglichkeit noch etwas nachdenke, durchstöbere ich das Netz nach weiteren Mitfahrzentralen. Und siehe da, ich entdecke eine, auf der jemand tatsächlich heute noch von Hannover nach Budapest fährt. Um 13h startet er. Wir telefonieren kurz und ich frage ihn, ob er im Rhein-Main-Gebiet vorbei fährt. Leider trifft er erst bei Würzburg auf die A3, so dass er mich nicht am Flughafen in Frankfurt abholen kann. Dies wäre der einfachste Weg gewesen, aber so muss ich mir eben einen einfach Ort ausdenken, den er ansteuern kann. Würzburg liegt nahe, ist aber relativ groß – dort den Bahnhof zu finden könnte kompliziert werden und dass will ich Laszlo nicht zumuten. Nachdem ich Erlangen, Schweinfurt und Kitzingen durchgegangen bin, fällt meine Wahl schließlich auf Fulda. Das liegt direkt an der A7, die Laszlo ebenfalls befährt und ist relativ klein, so dass es einigermaßen einfach sein dürfte den Bahnhof zu finden. Wir verabreden uns für 16h am dortigen Bahnhof.

Samstag – 12:22h

Ich habe drei Stunden gebraucht, um mir eine alternative Route zu suchen und bin auf dem Weg zum Bahnhof. Mit meinem Studi-Ticket fahre ich sogar kostenlos bis Fulda. Leider verpasse ich die erste S-Bahn knapp, so dass ich noch 30 Minuten warten muss.

Samstag – 13:43h

Hauptbahnhof Frankfurt. Der Zug nach Fulda fährt erst um 14:35h los und ich beschließe etwas essen zu gehen. Es liegt noch ein langer Tag vor mir und ich muss mich stärken.

Samstag – 15:50h

Der Zug ist kurz vor Fulda. Höchst interessante Leute treffe ich hier. Eine Paar mit Tochter steht mit mir zusammen an der Tür. Sie ist vielleicht 13 oder 14 Jahre alt und trägt den “Tokio-Hotell-Bill”-Gedächtnis-Look. Schwarz-Blau Haare, Ringelstrümpfe, Chucks, Rock und ein zerfetztes Shirt über einem Pulli. Na ja, sowas habe ich früher auch gemacht – kaputte Jeans gehörten zu der Zeit zu meinem Markenzeichen. Doch als ich auf ihre Schuhen den Spruch “Rape me!” lese, klappt mir die Kinnlade herunter. Wäre das meine Tochter, würde ich mal ein ernstes Wort mit ihr reden. Dies spottet jeder Frau, die so etwas schon einmal erleben musste und gehört sicherlich nicht an die Schuhe eines Teenagers.

Samstag – 16:30h

Es ist kalt in Fulda. Ich habe mich durch den Bahnhof gefragt und die einfachste Route zum Bahnhof ermitteln können. So stehe ich also draußen vor dem Gebäude und warte auf Laszlo, in der Hoffnung, dass er meine Anweisung per SMS erhalten hat und dieser auch folgt.

Samstag – 16:47h

Ein silberner Opel Astra mit Braunschweiger Kennzeichen irrt ein wenig orientierungslos vor dem Bahnhof umher. Er stellt sich unvermittelt auf den Bürgersteig ca. 100 Meter von mir entfernt und auf einmal klingelt mein Handy. Es ist Laszlo. Als ich dran gehen möchte, blinkt der Astra kurz mit seinem Fernlicht auf. Ich scheine mit meiner Vermutung recht behalten zu haben, dass dies Laszlo sein könnte. Ich gehe auf ihn zu und stelle fest, dass er ein nett aussehender Mitdreißiger ist, vor dem ich sicherlich keine größere Angst zu haben brauche. Dies war immerhin eine gewisse Befürchtung von mir. Bei solchen “Mitfahrten” (übrigens meine erste!) trifft man ja auf allerhand komisches Volk. Zu mindestens habe ich das gehört. Wäre ich eine Frau, hätte ich diese Reise sicherlich nicht auf diesem Wege angetreten – ein Dank an dieser Stelle an meine Eltern :-)

Samstag – 17:05h

Wir befinden uns auf der A7 in Richtung Budapest. Ich kann es noch nicht glauben, denn immerhin dachte ich noch vor knapp 9 Stunden, dass ich es nicht mehr nach Ungarn schaffen würde. Aber man soll den Tag ja nicht vor dem Abend loben, denn nach dem “Beinahe-Verschlafen” und dem Vergessen des Personalausweises kann ja noch allerhand passieren. Innerlich sehe ich mich schon in Ungarn im Straßengraben liegen oder ewige Zeit im Stau stehen, weil ein Rumänischer Laster partout nicht einsehen wollte, warum er einen polnischen Kleintransporter vorbei lassen sollte.

Samstag – 22:07h

Wir passieren die Österreichische Grenze. Laszlo hat mir auf der Fahrt ein wenig von sich erzählt. Er hat Elektrotechnik oder etwas ähnliches studiert, mit dem Schwerpunkt auf Fotovoltaik-Anlagen. Dies möchte er dazu nutzen, um seine Heimatregion (Siebenbürgen) wirtschaftlich ein wenig zu helfen. Zwar hat er einen Job in Deutschland, tritt diesen allerdings erst Anfang nächsten Jahres an und verbringt somit erst einmal einen Monat zu Hause. Das Auto hat er für seine Schwester gekauft, da Rumänien ab 1.1.2007 Einfuhrzölle für Autos erhebt. Eine Anmeldung ausländischer Autos kostet dann ca. 1000 bis 1500€ extra. Viel Geld für die Menschen in diesem doch noch recht armen Land. Ebenfalls berichtet er mir ein wenig darüber, dass die meisten Bewohner Siebenbürgens von ihrer Abstammung Ungarn sind, allerdings einen rumänischen Pass besitzen. Das heißt, sie sind weder in dem einen, noch in dem anderen Land wirklich zu Hause bzw. willkommen. Ein wenig mehr zu der Geschichte etc. findet sich bei Wikipedia – vor allem im Artikel über Rumänien. Das was hinter verschlossenen Türen geschieht wird dort natürlich nicht beschrieben. Generell lässt sich aber sagen, dass die Ungarn in diesem Gebiet keinen leichten Stand haben, ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen.

Während er mir so von sich und seiner Herkunft erzählt, stelle ich zu meinem Schrecken fest, dass mein Handyakku sich langsam dem Ende neigt. Dabei muss er noch mindestens zehn Stunden durchhalten und im Notfall auch das eine oder andere Gespräch über sich ergehen lassen. Ich beschließe also beim nächsten Stop ein Ladegerät für´s Auto zu kaufen.

Sonntag – 00:10h

Wir erreichen Wien. Ich war noch nie in dieser Stadt und dachte bisher immer sie hätte vielleicht die Ausmaße von Köln, Hannover oder Stuttgart. Doch ich werde eines Besseren belehrt. Wir befahren eine Umgehungsstraße, und können auf dieser einen wunderschönen Blick auf die nächtliche Stadt erhaschen. Ich bin von der Größte geradezu überwältigt. Laszlo sagt mir dazu nur in seiner trockenen Art: “Dies ist nur die Südseite von Wien – also nur ein kleiner Teil!” Mir reicht das völlig. Ich sehe bis zum Horizont nur Lichter und schwöre mir, diese Stadt irgendwann einmal zu besuchen.

Zwischenzeitlich haben wir schon an einer Tankstelle angehalten, allerdings gab es dort nur Ladegeräte für 15(!)€. Dies ist mir um einiges zu teuer und ich hoffe auf die nächsten Rastplätze.

Sonntag – 00:22h

Nächste Tankstelle. hier kosten die Ladegeräte knapp 9€. Das ist mir eigentlich immer noch etwas zu teuer. Auch wenn ich mich vielleicht später dafür verfluchen werde, beschließe ich noch die nächste Rast abzuwarten, dort aber auf jeden Fall ein Ladegerät (unabhängig vom Preis) zu kaufen. Zwischenzeitlich habe ich mein Handy immer mal wieder für einige Zeit ausgeschaltet, um Energie zu sparen. Dies hat zur Folge, dass ich eine besorgte SMS von meiner Freundin aus Ungarn bekomme, in der sie bittet mich doch umgehend zu melden, da sie Angst hat, mir könnte etwas passiert sein, weil sie mich telefonisch nicht erreichen konnte. Ich zerstreue ihre Sorgen und versuche auf der Weiterfahrt ein wenig zu schlafen, da ich doch sehr müde bin.

Sonntag – 01:27h

Eine letzte Rast in Wien und mein Glück scheint mich nicht verlassen zu haben. ich finde ein Ladegerät für 5€. Super! Die nächsten Stunden kann ich mein Handy also wieder angeschaltet lassen, für den Fall der Fälle und ich habe später noch genug “Saft” um evtl. ein paar Anrufe zu tätigen.

Sonntag – 01:38h

Ungarn – wir benötigen auch hier eine Vignette. Laszlo geht direkt an der Grenze in einen Laden, um eine zu besorgen. Danach bittet er mich doch bis kurz vor Budapest weiter zu fahren. Dies wundert mich, da ich mich in Österreich und Deutschland sicherer gefühlt hätte, als auf mir unbekannten Wegen in einer mir unbekannten Sprache. Aber darüber hat er sich wohl keine Gedanken gemacht. Er ist einfach nur sehr müde. Dies bemerke ich, als er keine fünf Minuten, nachdem wir weiter fahren tief und fest eingeschlafen ist.

Sonntag – 03:03h

Budapest. Laszlo und ich haben kurz vor der Stadt erneut die Plätze getauscht und er fährt mich zum Bahnhof, an dem der Zug nach Szeged abfährt. Ich habe meine Freundin vor ein paar Stunden gefragt, wann denn der erste Zug abfährt und sie sagte mir etwas von 6h. Ich bereite mich also auf eine Nacht in Nyugati vor. Davor hatte ich die ganze Zeit die meiste Angst. Unbekanntes Land, unbekannte Sprache und ich alleine nachts in der großen Hauptstadt am Bahnhof. Keine guten Aussichten. Doch meine Befürchtungen sind unbegründet. Zunächst stellt sich heraus, dass der erste Zug schon um 4h abfährt und am Bahnhof treibt sich weit weniger zwielichtiges Volk herum, als ich dachte. Ich kaufe mir in einer Schalterhalle, die sich vor großen europäischen Bahnhöfen wie London oder Paris nicht zu verstecken braucht (abgesehen von der Renovierungsbedürftigkeit) mein Ticket. Zuvor habe ich Laszlo noch seinen “Lohn” für die Mitnahme gegeben. 30€ hat mich der Trip nur gekostet. Ein wahres Schnäppchen. Ich setze mich also in den Bahnhof und warte.

Sonntag – 04:00h

Ich sitze heil und unbeschadet im Zug nach Szeged. Unglaublich aber wahr. Ankunft um 7:15h! Um nicht einzuschlafen, da ich Angst um meine Habseligkeiten habe, beginne ich diesen Eintrag vorzuschreiben. Doch nach einer knappen Stunden bin ich so müde, dass ich beschließe mir den Wecker zu stellen und ein wenig die Augen zu schließen. Dabei verstaue ich meine Taschen unter meinen Füßen, damit ich aufwache, falls sich jemand daran zu schaffen machen sollte.

Sonntag – 06:35h

Der Wecker klingelt und es ist saukalt im Wagon. Mein Schlaf war kurz und unruhig. Immer wieder bin ich hochgeschreckt und konnte mich nicht wirklich entspannen. Der Zustand der ungarischen Bahnlinien und der Wagons tat dazu sein übriges. Mein Wagon ist leer und plötzlich kommt der Schaffner herein. Ich spricht mich an und ich verstehe nur Bahnhof. Nachdem ich mit den Worten “Englisch? Deutsch?” klar mache, dass ich nichts verstehe, fragt er in gebrochenem Deutsch “Wohin?” Ich antworte mit “Szeged” und er antwortet beruhigend mit einem “Ah, gut gut, sitzen bleiben!” Ja gut, nichts anderes hatte ich vor. Dennoch wundere ich mich, warum es auf einmal so kalt in meinem Wagon ist und begebe mich auf die Suche nach dem offenen Fenster, denn die Heizung läuft noch. Ich entdecke, dass die Zwischentür geöffnet ist und als ich sie schließen möchte, fällt mir auf, dass ebenfalls die Außentür des Wagon aufsteht. Ich frage mich kurz, ob sie da wohl jemand beim Schwarzfahren erwischt und nach guter alter Väter Sitte einfach aus dem Zug geworfen haben. Mich überkommt ein Schauer und ich bin froh, dass der Schaffner mein Ticket akzeptiert hat.

Ich beschließe meine Freundin anzurufen, um ihr mitzuteilen, dass ich in einer knappen halben Stunde da bin. Natürlich wecke ich sie erneut, da sie sich auf eine Ankunft um 9h eingestellt hat. Sie klingt reichlich verschlafen und ich beschließe alleine mit dem Taxi in die Stadt zu fahren, wenn ich angekommen bin. Ich bitte sie mir die Adresse zu schicken und warte auf das Ende der Zugfahrt.

Sonntag – 07:17h

Szeged. 99% meiner Reise liegt hinter mir. Ich gehe vor den Bahnhof und spreche einen Taxifahrer an. Dieser kann ebenfalls etwas Deutsch und nachdem wir uns auf einen Preis von 800Ft geeinigt haben, fährt er mich zu der angegebenen Adresse. Die erste Taxifahrt meines Lebens. gibt es schöneres, als damit einen so coolen Trip zu beschließen? Ich glaube kaum!

Sonntag – 07:32h

Ich bin angekommen. So richtig kann ich es noch nicht glauben. Nach mehr als 25 Stunden Odyssee durch halb Europa habe ich mein Ziel erreicht. Mein erster Gedanke gilt dem mich erwartenden Bett. Dies nutze ich quasi sofort und verschlafe den halben Tag. Erst um 17h werde ich wieder meine Augen öffnen.

Der Rest der Urlaubs war natürlich nicht halb so spannend wie die Anreise. Es hat mir sehr gut dort gefallen und vielleicht komme ich Szeged mal wieder besuchen. Aber diesmal sicherlich wirklich mit dem Flieger! Die Rückreise verlief übrigens ohne größere Probleme. War schon beinahe langweilig – aber nur beinahe…